Welche Version?

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Welche Version?

Postby Bergschreck on Fri Apr 20, 2012 5:36 am

Hallo,
ich überlege gerade von Ubuntu auf Linuxmint umzusteigen.

Was mich an Ubuntu stört:

  • Alle 6 Monate kommt ein neues Release. Ab Erscheinungsdatum werden kaum noch Fehler gefixt, die keine Sicherheitsfehler sind. Ist man von einem "normalen" Fehler betroffen, darf man aufs nächste Release hoffen.
  • Bei fast jedem Release ändert sich gravierend was an der Bedienung (Stichwort Unity, Gnome3). Ich hab keine Lust mich alle 6 Monate umzugewöhnen.
  • Macht man die Releasewechsel nicht mit, hat man irgendwann hoffnungslos veraltete Software, oder man muss für jedes Paket ein extra PPA einbinden (Beispiel Firefox/Thunderbird vom Mozilla-Team)

Nun sitze ich also vor dem Dilemma, dass Natty schon ziemlich veraltet ist, und ich aber weder Unity noch Gnome3 Shell mag. Ich hab das Gnome2 lieb gewonnen. Daher nun die Überlegung auf Linux Mint umzusteigen, was ja trotz Gnome3 noch die Bedienung von Gnome2 bieten soll.

Allerdings bin ich von den vielen Versionen die es da gibt erschlagen. Da ich keine festen Releasezyklen mag (siehe oben), kommt für mich wohl nur LMDE in Frage. Aber auch bei LMDE gibt es wieder so viele verschiedene Versionen, und ich versteh nicht was der Unterschied ist. Folgende Versionen habe ich entdeckt:

  • LMDE 201109 Gnome
  • LMDE 201109 Xfce
  • LMDE 201204 Mate
  • LMDE 201204 Cinnamon

Vor allem die beiden letzteren sagen mir gar nichts. Fragen:

  • Wenn ich jetzt eine 201109 Version installiere, wird die dann auf 201204 upgedated, und habe ich dann das gleiche? Oder sind die 201204 Versionen (Mate/Cinnamon) was anderes?
  • Worin unterscheidet sich die Xfce Version (außer im Fenstermanager, der ist mir ziemlich egal)?

Im Prinzip favorisiere ich Xfce (weil schön schlank), möchte aber keine Abstriche beim Komfort machen (insbesondere beim Dateimanager und beim Netzwerkmanager). Der Dateimanager sollte Automount können, WebDAV-Laufwerke einbinden können, Vorschaubilder zeigen, usw., halt das was Nautilus so bietet. Der Netzwerkmanager sollte sich automatisch mit bekannten WLANs verbinden, und VPN-Verbindungen herstellen können. Animierte Fenster und sonstige "Spielereien" brauche ich nicht. Speziell Compiz möchte ich meiden, weil der enorme Resourcen verschwendet (der belegt ja mehr Speicher als der ganze Kernel).

Ich habe gestern mal die Live-Version LMDE 201204 Mate/Cinnamon vom USB-Stick ausprobiert, da sind mir gleich 3 Probleme aufgefallen:

  • das Auto-Hide des Panels funktioniert nicht richtig, manchmal klappt das nicht von selbst wieder zu.
  • Desktop-Nova (Hintergrundwechsler) funktioniert nicht (läuft zwar, wechselt aber keine Bilder).
  • Die Schriften sind sehr klein. Man kann zwar im Theme verschiedene Schriftgrößen konfigurieren, die wirken sich aber alle nicht auf den Dateimanager aus

Welche Version ist nun die richtige für mich???
Bergschreck
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Re: Welche Version?

Postby karlchen on Fri Apr 20, 2012 6:29 pm

Hallo, Bergschreck.

Fazit vorweg:

Deine Argumente gegen Ubuntu lassen sich auch gegen die meisten Linux Mint Editionen vorbringen, Ausnahme die direkt auf Debian basierende Mint LMDE. Als Argument für einen Umstieg von Ubuntu auf Mint taugen sie daher eher weniger.
Wenn dir ein rolling Release lieber ist, als das Release Schema, dem Ubuntu und die meisten Mint Editionen bislang folgen, dann bleibt im Grunde wirklich nur die direkt auf Debian basierende LMDE.
Welcher Benutzeroberfläche du dabei den Vorzug geben willst, Gnome, Mate, XFCE oder Cinnamon, hängt einzig davon ab, mit welcher du besser zurecht kommst und welche dir persönlich besser gefällt.
Also Live CDs oder Live DVDs oder Live USB Stick mit Mint LMDE erstellen, ein Live System mit jeder Oberfläche, und ausprobieren und selbst ein Urteil bilden.
Du willst dir doch nicht von dritten erzählen lassen, was dir gefällt und für dich das Beste ist, oder?

Detailantworten:

Was mich an Ubuntu stört:
Alle 6 Monate kommt ein neues Release. [...]
Außer für Mint LMDE gilt das genauso für Linux Mint, einfach weil es auf Ubuntu aufsetzt.
Deswegen beschränke ich mich momentan und wohl auch in absehbarer Zukunft auf die Editionen, die LTS (long term support) im Namen tragen. D.h. wirklich werkeln tue ich mit Ubuntu 10.04.4 - entspricht glaube ich Mint 9. Bei Mint 12 habe ich eine Ausnahme gemacht, um schon mal eine Idee zu bekommen, ob die nächste LTS Version Ubuntu oder Mint im Namen haben wird.
LTS Desktop Editionen leben 3 Jahre, LTS Server Editionen 5 Jahre. Also kein atemloses Hinterherrennen hinter den halbjährlichen "Totgeburten". Alle 2 Jahre gibt es eine neue LTS Edition. Umsteigen alle 2 oder 3 Jahre. Das ist ok für mich.

Bei fast jedem Release ändert sich gravierend was an der Bedienung (Stichwort Unity, Gnome3). Ich hab keine Lust mich alle 6 Monate umzugewöhnen.
Ich kann das zwar nicht für Ubuntu/Mint mit XFCE oder KDE beurteilen, sondern nur für die Hauptlinie mit Gnome-Oberfläche, dennoch: Deine Behauptung ist so pauschal nicht korrekt. Bis einschließlich Ubuntu 10.10 beruhten alle Ubuntu Ausgaben auf Gnome 2. Die Oberfläche hat sich zwar stetig weiterentwickelt, aber wirkliche Sprünge gab es keineswegs in jedem neuen Release. Z.B. Karmic Koala, Lucid Lynx und Maverick Meerkat unterscheiden sich in der grundsätzlichen Oberfläche kaum.
Erst mit Ubuntu 11.04 und letztendlich zur Gänze mit Ubuntu 11.10 wurde Gnome 2 ersetzt durch Gnome 3 bzw Unity. Beide verfolgen ein grundsätzlich anderes Bedienkonzept als Gnome 2.
Der Bruch war insofern unvermeidlich, als die Entwicklung von Gnome 2 de facto tot ist.

Macht man die Releasewechsel nicht mit, hat man irgendwann hoffnungslos veraltete Software, oder man muss für jedes Paket ein extra PPA einbinden (Beispiel Firefox/Thunderbird vom Mozilla-Team)
Diese Beschwerde ist zum Teil berechtigt. Aber auch hierbei unterscheiden sich Ubuntu und Mint nicht wirklich entscheidend. Kunststück. Mint beruht auf Ubuntu, Ausnahme LMDE.

Ich hab das Gnome2 lieb gewonnen.
Das ist Pech. Gnome hat die Weiterentwicklung von Gnome 2 eingestellt. Und der Gnome 2 Fork Mate dürfte eine Übergangserscheinung sein. Da die Mint Macher das wahrscheinlich auch so einschätzen, haben sie auf Basis des Gnome 3 einen eigenen Gnome 3 Fork ins Leben gerufen, Cinnamon.

D.h. wenn du unbedingt auf Dauer etwas Gnome 2 Vergleichbares als Oberfläche behalten möchtest, wird am ehesten XFCE die richtige Benutzeroberfläche sein.

Aber auch bei LMDE gibt es wieder so viele verschiedene Versionen
Nicht wirklich. Eigentlich gibt es nur ein LMDE. Das ist ein Rolling Release. D.h. das ganze Betriebssystem wird in Gänze kontinuierlich aktualisiert, so wie Debian Updates zur Verfügung stehen. (Etwas vereinfacht. Ich weiß.)

Folgende Versionen habe ich entdeckt:
Nö, keine unterschiedlichen Versionen. Immer LMDE, nur mit verschiedenen Benutzeroberflächen.

  • LMDE 201109 Gnome ... LMDE, noch mit Gnome 2 Oberfläche. Wie lange es noch Gnome 2 für Debian geben wird, keine Ahnung.
  • LMDE 201109 Xfce ... LMDE, mit XFCE Oberfläche
  • LMDE 201204 Mate ... LMDE, mit dem Gnome 2 Fork Mate als Oberfläche. Während Gnome 2 nicht mehr weiterentwickelt wird, wird Mate noch "fertiggstellt", d.h. so richtig fertig ist Mate wohl noch nicht.
  • LMDE 201204 Cinnamon ... LMDE, mit dem Gnome 3 Fork namens Cinnamon. Cinnamon ist ein Gnome 3, der wieder die bekannte Mint Oberfläche zur Verfügung stellt, aber eben auf der Basis von Gnome 3, nicht Gnome 2.

Wenn ich jetzt eine 201109 Version installiere, wird die dann auf 201204 upgedated
LMDE ist ein rolling release, der kontinuierlich aktualisiert wird. D.h. wenn du eine Installations-DVD benutzt aus Sept 2011, wird LMDE sich aktualisieren auf den Stand April 2012.
D.h. aber nicht, dass dabei die gewählte Benutzeroberfläche ausgetauscht wird.

Im Prinzip favorisiere ich Xfce (weil schön schlank), möchte aber keine Abstriche beim Komfort machen
Probiere die verschiedenen Benutzeroberflächen mit ihren Vorzügen und Nachteilen mittels Live DVDs aus und bilde dir selbst ein Urteil.

Welche Version ist nun die richtige für mich???
Genau diese Frage mußt du schon selbst beantworten. Du willst schließlich mit der von dir ausgewählten Edition und Benutzeroberfläche arbeiten. Du wärest wahrscheinlich mit meiner momentanen Auswahl, Linux Mint 12 "Lisa", Gnome 3 mit MGSE Aufsatz (soviel Mint muß sein), nicht unbedingt sehr zufrieden.

Grüße,
Karl
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Re: Welche Version?

Postby Bergschreck on Sat Apr 21, 2012 3:39 am

Hallo Karl,

vielen Dank für deine ausführliche Erklärung. Jetzt blick ich schon besser durch. Vor allem dass es jetzt 4 unterschiedliche Oberflächen gibt: Gnome2, Xfce, Mate und Cinnamon. Ich denke Xfce dürfte dann die richtige Oberfläche für mich sein, weil es da keine so gravierenden "Breaks" wie bei Gnome oder KDE gibt. Habe im Netz eine gute Anleitung gefunden, wie man sich das Xfce so konfiguriert dass es wie Gnome2 aussieht: http://tridex.net/2011-04-30/xfce-der-schnellere-gnome/

Habe gestern eine größere Platte in mein Laptop gebaut und jetzt LMDE/Xfce neben Ubuntu installiert. Mit der im Link beschriebenen Anpassung sieht das echt gut aus. Wenn man das Compositing aktiviert und die Fensterschatten, dann macht das schon was her. Und wenn das stimmt dass das Compositing unter Xfce perfekt funktioniert (unter Gnome2 hatte das tatsächlich einige Bugs), dann fällt die Entscheidung für den Wechsel leicht. :D

Im Prinzip habe ich die gleiche Einstellung wie Du, und würde eine LTS Version bevorzugen. Allerdings hat man dann noch verstärkt das Problem völlig veralteter Software in der keine Bugs gefixt werden. Auf meinem Webserver bei einem Webhoster habe ich Ubuntu Lucid drauf. Das WebDAV Modul des Apache hatte einen Fehler, durch den hochgeladene Dateien die falschen Permissions hatten (immer 0600). Es brauchte einiges an Überzeugungsarbeit, damit die Entwickler nicht nur die aktuelle Version fixen (Oneiric) sondern auch Lucid. Die Ubuntu-Entwickler stehen echt auf dem Standpunkt dass sie nur Sicherheitslücken stopfen. Das finde ich schade.

Oder anderes Beispiel: Youtube stellt jetzt seine Videos auf das webm Format um. Unter Natty schafft man es nicht solche Videos zu konvertieren weil ffmpeg komische Fehlermeldungen bringt. Ich denke mal im aktuellen ffmpeg (bzw. libvpx, was für diesen Codec verwendet wird) dürften die Fehler gefixt sein, aber als Ubuntu User erhält man eben keine solchen Updates.
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Re: Welche Version?

Postby /dev/urandom on Sun Jun 03, 2012 4:19 pm

Bergschreck wrote:Vor allem dass es jetzt 4 unterschiedliche Oberflächen gibt: Gnome2, Xfce, Mate und Cinnamon.

Es gibt noch mehr, die "musst" du aber allesamt nachinstallieren. KDE, Enlightenment, LXDE, ...

(Warum man wollen sollte, dass Xfce wie Gnome aussieht, ist auch noch eine Frage. Brrr.)

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Re: Welche Version?

Postby zum Kaufhof on Sat Jun 09, 2012 11:44 am

/dev/urandom wrote:
Bergschreck wrote:Vor allem dass es jetzt 4 unterschiedliche Oberflächen gibt: Gnome2, Xfce, Mate und Cinnamon.

Es gibt noch mehr, die "musst" du aber allesamt nachinstallieren. KDE, Enlightenment, LXDE, ...

(Warum man wollen sollte, dass Xfce wie Gnome aussieht, ist auch noch eine Frage. Brrr.)

SCNR.


Hallo Bergschreck,

Hast du bemerkt, wie Mint 13 (entweder MATE oder Cinnamon Version) ein LTS ist, das 5 Jahre dauern soll. Was ich getan habe, ist MATE installiert und jetzt warte bis Cinnamon weiter entwickelt werden wird.

Aus England von Trevor
Host PC runs Windows XP SP3
External disk OS Linux 13 Mate
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Re: Welche Version?

Postby Bergschreck on Sat Jun 09, 2012 2:40 pm

zum Kaufhof wrote:Hast du bemerkt, wie Mint 13 (entweder MATE oder Cinnamon Version) ein LTS ist, das 5 Jahre dauern soll. Was ich getan habe, ist MATE installiert und jetzt warte bis Cinnamon weiter entwickelt werden wird.

Ja, die normale Mint-Version basiert ja immer auf den Ubuntu-Paketen. Im Prinzip ist das nichts anderes als ein Ubuntu mit geänderter Oberfläche. Ubuntu 12.04 ist eine LTS Version, somit auch die darauf basierende Mint 13.

Ich sehe allerdings keinen Vorteil in einer Ubuntu-basierenden Mint-Version. Wenn schon, dann LMDE. Wenn ich ein Ubuntu mit Gnome 2 ähnlicher Oberfläche will, dann brauche ich nur das Paket gnome-panel installieren.
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